Vor ein paar Wochen führte unsere Beraterin Tania mit einem Great Mind ein Gespräch, das bei ihr bis heute nachklingt. Sie hatte die erfahrene Payrollerin während mehreren Monaten aktiv in ihrer Stellensuche begleitet. Diese war verunsichert – einerseits wegen ein paar Fehlgriffen in der Vergangenheit, aber eben nicht nur deswegen.
Eine Freundin hatte ihr kürzlich gesagt, eigentlich müsste sie doch «schon längstens» den nächsten Schritt gemacht haben. Gemeint war konkret: der Aufstieg in eine Führungsrolle. Sie war hörbar verunsichert und meinte:
«Ich weiss irgendwie nicht, ob das wirklich ich bin … oder was meinst Du?»
Tania spielte den Ball zurück und fragte zunächst nach dem Alter der Dame. Sie sei Mitte vierzig. Alles klar. Tania wollte ferner wissen, ob die Dame in den gut zwei Jahrzehnten, seit sie arbeite, denn jemals den Impuls verspürt hätte, eine Führungsrolle zu übernehmen. Die Dame verneinte. Und so meinte Tania trocken:
«Wenn Du wirklich darauf brennen würdest, eine Führungsaufgabe zu übernehmen – denkst Du nicht, dass Dir das bis heute mit über vierzig zumindest einmal durch den Kopf geschossen wäre…?!»
Die Payrollerin gluckste etwas belustigt und räumte ein:
«Ja, vermutlich schon.»
Na also. Damit war die Sache gegessen.
Gut gemeint ist nicht immer gut
Auch wenn die Freundin bestimmt keine bösen Absichten verfolgt hat, so hat sie der besagten Payrollerin mit ihrem vermeintlichen guten Ratschlag keinen Dienst erwiesen. Aber ihre Aussage passt zur Leistungsgesellschaft, in welcher viele von uns vermutlich ähnlich sozialisiert wurden. Karriere wird praktisch immer gleichgesetzt wird mit: höher, weiter, schneller. Wer etwas aus sich macht, kommt voran. Und voran bedeutet meistens: nach oben.
Das sieht man nicht zuletzt, wenn man nach Bildern googelt für «Karrierepfad». Da werden einem fast ausschliesslich Bildern von Treppen, Leitern und Pfeile nach oben ausgespielt.
- Aber muss vorwärts wirklich immer aufwärts bedeuten?
Die Great Minds Antwort: You Do You.
Für uns ist klar: Nein, es muss nicht immer das nächste Treppchen sein.
Mit dem Risiko, abgedroschen zu klingen – aber es ist nun mal so: Jeder Mensch ist anders. Wir werden von unterschiedlichen Dingen motiviert, haben unterschiedliche Stärken, Bedürfnisse und Lebensentwürfe.
Es gibt keine besseren oder schlechteren Karriereziele. Es gibt nur solche, die zu einem passen – und solche, die es nicht tun.
Deshalb raten wir davon ab, die berufliche Entwicklung einfach entlang eines gesellschaftlich indoktrinierten Musters zu gestalten. Nicht jede Karriere muss nach oben zeigen und die Jagd nach dem nächstgrösseren Titel bedeuten. Nicht jeder muss führen. Wichtiger ist, dass jeder das macht, was sich für ihn richtig anfühlt.
Was stattdessen wichtig ist
Wer sich beruflich weiterentwickeln will, sollte sich aus unserer Sicht zuerst andere Fragen stellen:
«Was motiviert mich wirklich?»
«Wo liegen meine Stärken – und wo meine Grenzen?»
«In welchen Rollen werden meine Bedürfnisse sinnvoll abgedeckt?»
«Wo wären meine Entwicklungspunkte eher ein dauernder Kraftakt?»
Denn wer die Kriterien anderer über die eigenen stellt, wird sich in Situationen wiederfinden, die nicht zu den eigenen Motivationen und Bedürfnissen passen – und sich i.d.R. eher unbequem anfühlt.
Zum Schluss
Wer sich und seine Bedürfnisse gut kennt, kann gut gemeinte Ratschläge besser einordnen – und im Zweifel auch einfach an sich vorbeiziehen lassen. Ohne Verunsicherung oder das Gefühl, etwas zu verpassen. Karrieren sollen kein Wettrennen nach oben sein, sondern ein persönlicher Weg, den jeder für sich geht. Und deshalb: