Mitarbeitende erleben eine Entlassung in der Regel als Bruch, als persönlichen Rückschlag oder gar als Scheitern. Dabei ist eine erhaltene Kündigung aus Sicht unserer Beraterin Tania oftmals gar nicht unbedingt das Problem: Vielmehr ist es meist einfach die logische Konsequenz für eine Situation, die – oftmals schon länger – nicht stimmig ist.
Das eigentliche Problem beginnt früher
In der Praxis zeigt sich immer wieder: Viele merken eigentlich schon früh, dass etwas nicht stimmt.
- Die Rolle / Aufgabe passt nicht
- Die Werte stimmen nicht überein
- Die Kultur fühlt sich fremd an
Und dennoch bleiben sie. Nicht, weil es passt, sondern weil sie hoffen, dass es «dann schon noch wird».
Warum wir zu lange bleiben
Die Gründe dafür sind vielfältig und beruhen oftmals auf Glaubenssätzen und persönlichen Prägungen:
«Ich muss das doch hinkriegen»
«Ich gebe nicht einfach auf»
«Ein Wechsel im CV sieht schlecht aus»
Manchmal sind es Ängste oder das Bedürfnis nach (finanzieller) Sicherheit und Stabilität. Aber immer wieder ist es auch ganz einfach Bequemlichkeit, Passivität oder die Erwartungshaltung, dass es die anderen «endlich mal begreifen sollen…!» Hier wird es kritisch und eine wichtige Tatsache wird dabei leider verkannt.
Ausharren kostet Ressourcen
Wer zu lange bleibt, obwohl es nicht passt, tut das nicht nur sich selbst an. Man wirkt auch ins System hinein. Im schlimmsten Fall wird dabei das Umfeld mit vergiftet – leise, aber konstant. Nicht mal unbedingt aus böser Absicht. Aber eben aus fehlender Konsequenz.
Und so steigt die Frustration (beidseitig), die Motivation sinkt, die Zusammenarbeit leidet und Produktivität geht verloren. Kurz gesagt wird unnötig Energie verschwendet, weil man sich an Situationen aufreibt. Das Ausharren wird zur Belastung im Alltag.
Ein Beispiel aus der Praxis
Unsere Beraterin Tania kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. In einer frühen Station ihrer Karriere war sie in einer Rolle, die stark auf Effizienz ausgelegt war. Gefragt waren Tempo, Pragmatismus und die Bereitschaft, Imperfektion auszuhalten.
Wer Tania kennt, weiss, dass das niemals gutgehen konnte. Zu hoch sind ihre Ansprüche an Qualität, Details und durchdachte Lösungen.
Zusätzlich war die Unternehmenskultur stark hierarchisch geprägt – mit klaren Top-down-Strukturen und starkem Hierarchiedenken. Tania ist aus ihrer Erziehung komplett anders geprägt und kannte auch aus der Berufswelt eher Firmenkulturen, in welchen sich Praktikanten und C-Levels losgelöst von ihren jeweiligen Rängen nicht nur auf Augenhöhe austauschten, sondern auch im Sinne der Sache herausfordern durften.
👉 Die Situation passte also weder fachlich noch kulturell.
Und doch blieb sie. Nicht aus Leidenschaft oder Freude an der Sache. Sondern weil sie überzeugt war, es «hinbekommen zu müssen». Dass sie nicht nur selbst unter der Situation litt, sondern diese vermutlich auch Vorgesetzte und Kollegen Energie und Nerven gekostet haben muss, hatte sie dabei nicht auf dem Schirm.
👉 Rückblickend kann sie aber – mittlerweile versöhnt – einsehen, dass ihre Entlassung bei dieser Ausgangslage nicht unbegründet, sondern die logische Konsequenz war.
Wenn Warnsignale überhört werden
Bei Entlassungen geht im Übrigen ein wichtiger Punkt gerne mal vergessen: Sie erfolgen vielleicht in einem unerwarteten Moment, kommen aber selten aus dem Nichts.
Auch in Tanias Fall hatte es in ihren Feedbackgesprächen wiederholt Rückmeldungen und Hinweise gegeben. Einfach leider ohne klare Ansage oder Verwarnung. Und deshalb interpretierte sie die Botschaften zwischen den Zeilen nicht als Warnsignale. Und verpasste es, sich rechtzeitig soweit anzupassen, dass sie im vorgegebenen System sinnvoll hätte funktionieren und wirken können.
Es stellt sich indes auch die Frage, ob das überhaupt sinnvoll gewesen wäre.
Zwischen Anpassung und Selbsttreue
Für Tania ist heute klar: Der Preis wäre ihr zu hoch gewesen. Es hätte sie zu viel Energie gekostet, zu viel Verbiegung erfordert und sie wäre eigenen Werten nicht treu geblieben. Man ist in seinen Grundzügen nun mal wer man ist und das ist nicht nur okay, sondern auch gut so. Nicht jede Persönlichkeit passt in jede Umgebung.
Aber dann braucht es eben eine Trennung. Denn: 👉 Wer sich nicht anpassen kann oder will, bleibt im System ein Fremdkörper. Und Systeme reagieren darauf.
Get in the game – or get out of the way
Damit es ausdrücklich gesagt ist: Natürlich muss man nicht in jeder Situation direkt davonlaufen. Man darf neuen Situationen durchaus eine Chance geben. Aber dann bitte mit realistischer Erwartung und Haltung.
Denn bleiben, sich aber dem Umfeld und System verwehren, bringt nichts und blockiert einen nur selbst. Und das war damals auch Tania’s Fehler. Sie blieb – war aber innerlich im Widerstand. Hat versucht, Dinge zu verändern, die ausserhalb ihres Einflussbereichs lagen. Und rieb sich an Themen auf, mit denen sie sich in ihrer Rolle eigentlich nicht hätte beschäftigen müssen.
Das trug angesichts ihrer noch kurzen Firmenzugehörigkeit und Einbettung im Unternehmen keine Früchte und war somit verschwendete Energie, die anderswo sinnvoller investiert gewesen wäre:
entweder aktiv eine passendere Umgebung zu suchen
oder sich auf das zu fokussieren, was im eigenen Einflussbereich liegt.
Verantwortung übernehmen – bevor es andere tun
Nach einer Entlassung stellen sich viele die Frage: Wie konnte das passieren? Warum geht man so mit mir um? Dabei musste sich auch Tania irgendwann fragen:
«Warum habe ich nicht selbst gehandelt?»
Im Moment der Entlassung fühlt man sich fremdgesteuert und entsprechend ohnmächtig. Viele könnten aber mit einem ehrlichen Blick in den Spiegel zugeben: «Ich hätte es selbst in der Hand gehabt». Gemäss der Philosophie von Great Minds ermutigen wir Arbeitnehmende zur Übernahme von Verantwortung. Dabei gilt es
- das eigene Bauchgefühl ernst zu nehmen
- sich aktiv mit der Situation auseinanderzusetzen
- und Konsequenzen zu ziehen, auch wenn sie unbequem sind
Denn: Wenn wir nicht selbst entscheiden, überlassen wir die Entscheidung irgendwann anderen.
Zum Schluss
Manchmal ist eine vermeintliche schwierige Phase keine Phase. Sondern ein Hinweis darauf, dass etwas grundlegend nicht stimmt. Und deshalb gilt es, sich aktiv mit der Situation auseinanderzusetzen, anstatt einfach in ihr auszuharren.
So kann man vermeiden, dass über den eigenen Kopf weg entschieden wird. Und somit das Trauma einer Entlassung durchlebt werden muss.