Die Erstellung des Bewerbungsanhangs mit Arbeitszeugnissen fällt nicht allen gleich leicht. Wir sehen täglich unterschiedlichste Varianten – und nicht alle sind gleich sinnvoll. Ganz zu schweigen von praktisch.
Deshalb teilen wir hier ein paar Tipps aus dem Alltag. Nicht als absolute Wahrheit, sondern als fundierte Empfehlung, basierend auf unserer Erfahrung und den Rückmeldungen unserer Rekrutierungspartner.
Inhalt: Was gehört rein – und in welcher Reihenfolge?
1. Vollständigkeit zählt
❌ Schicke nicht nur das aktuellste Arbeitszeugnis
✅ Übermittle Dein komplettes Dossier
ℹ️ Auch wenn Deine letzte Stelle am relevantesten ist: Für ein umfassendes Verständnis Deines Werdegangs wird auch weiter zurückgeschaut.
Zwinge Deinen Leser nicht, zusätzliche Unterlagen nachfordern zu müssen.
2. Praxis vor Papier
Bewerte Diplome im Vergleich mit der eigentlichen Berufserfahrung nicht über
Starte den Bewerbungsanhang mit Deinen Arbeitszeugnissen
Fachkenntnisse aus der Praxis interessieren zuerst. Diplome sind für Dein tatsächliches Können in der Praxis weniger aussagekräftig und können deshalb nachgelagert geprüft werden. Diese Überlegung bzgl. Reihenfolge kannst Du übrigens für den Lebenslauf analog übernehmen.
3. Aktuelles zuerst
❌ Starte nicht wie in einer Geschichte ganz am Anfang
✅ Beginne mit dem Relevantesten, d.h. mit den aktuellsten Dokumenten
ℹ️ Was aktuell ist, interessiert am meisten. Ältere Stationen sind weniger entscheidend – und gehören deshalb nach hinten.
4. Struktur statt Chaos
❌ Vermische die Kategorien nicht der Chronologie zuliebe
✅ Gruppiere Deine Dokumente thematisch
Wir empfehlen: Zuerst alle Arbeitszeugnisse, dann alle Diplome & Zertifikate (jeweils beginnend mit den aktuellsten).
ℹ️ Das ist nicht nur unser Bauchgefühl. In einer kürzlich durchgeführten LinkedIn-Umfrage gaben 95% der Abstimmenden an, genau diese Leserichtung zu bevorzugen: CV → Arbeitszeugnisse → Diplome
Formelles: So klappt es auch mit einer unkomplizierten Übermittlung
5. Ein Dokument statt Datei-Wildwuchs
Verschicke nicht 20 einzelne PDFs
Bündle Deine Unterlagen in einem PDF (oder je einem für «Arbeitszeugnisse» und «Diplome & Zertifikate»)
Tipp: Ein Inhaltsverzeichnis kann bei der Orientierung helfen – besonders bei umfangreichen Dossiers (Beispiel unten)
6. Scannen statt knipsen
❌ Reiche Deine Dokumente nicht als Fotos ein
✅ Verwende sauber gescannte Unterlagen
ℹ️ Schatten, schiefe Perspektiven und schlechte Lesbarkeit kosten unnötig Zeit – und hinterlassen nicht den professionellsten Eindruck. Jedes Smartphone hat heute eine Scan-Funktion – nutze sie.
7. Dateigrösse im Griff behalten
❌ Versuche gar nicht erst, Dateien mit über 10MB zu verschicken
✅ Halte die Gesamtgrösse klein, idealerweise unter 5MB
ℹ️ Viele Bewerbersysteme erlauben keine grossen Anhänge. Deine Dateien zu komprimieren ist aber heute ein Leichtes – also mach es auch.
FAQ: Drei Fragen, die immer wieder kommen
«Wird das nicht ein riesiges Chaos?»
Nicht, wenn Du sauber strukturierst. Biete Deinem Leser Orientierung mit einem Inhaltsverzeichnis. Sinnvoll könnte dabei folgende Struktur sein:
Arbeitszeugnisse
Firma X, Jobtitel (MM/JJJJ – MM/JJJJ), Seite 2
Firma Y, Jobtitel (MM/JJJJ – MM/JJJJ), Seite 4
Diplome & Zertifikate
Aussteller, Diplomtitel (JJJJ), Seite 6
Aussteller, Zertifikat (JJJJ), Seite 7
«Was, wenn Dokumente fehlen?»
Zwei Optionen:
Beim Aussteller Ersatz anfordern
Falls das nicht möglich ist oder das nachgeforderte Dokument noch ausstehend ist: Nimm die Frage mit entsprechendem Vermerk im CV oder Inhaltsverzeichnis vorweg.
«Ist wirklich alles relevant?»
Nicht alles – aber vieles. Ein paar Beispiele:
Nebenjobs im Studium vor 20 Jahren? Vernachlässigbar, da oft nur kurze Erfahrungen mit wenig Aussagekraft
Fokussierung / Spezialisierung auf Payroll, nach 10 Jahren Erfahrung in Finanz- und Rechnungswesen? Dokumentiere Deine 10 Jahre in einem verwandten Berufsfeld mit entsprechenden Arbeitszeugnissen
Entwicklung vom Frontmitarbeiter in Gastro & Hotellerie über Backoffice-Rollen und zum heutigen HR-Manager im Gesundheitswesen? Fachlich auf den ersten Blick nicht direkt relevant – aber persönlich oft sehr prägend. Zeige mit Stolz Deine Lern- und Entwicklungsbereitschaft, ebenso wie die Erfahrung in dynamischen Umfeldern und den Biss, den man dafür braucht.
Belege deshalb diese Erfahrungen. Sie erzählen mehr über Dich, als Du denkst.
Zum Schluss
Im Zweifel hilft eine einfache Überlegung:
Beigelegte Dokumente kann man schnell ignorieren.
Nicht beigelegte Dokumente kann man nicht lesen.
Du brauchst weiteren Input zum Thema CV-Schreiben und Bewerbungsunterlagen? Lies hier unsere 10 Gebote des CV-Schreibens.
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