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Hilfe, ich wurde entlassen! Was nun?

Viele Bewerbende hadern damit, dass sie entlassen wurden. Verständlich – es ist schmerzhaft. Aber aus Sicht unserer Beraterin Tania: eigentlich gar nicht so schlimm.

In der Rekrutierung begegnet sie täglich Menschen, die eine Firma verlassen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch mit manchen tun sich Bewerbende schwerer als mit anderen. Eine Kündigung durch den Arbeitgeber gehört definitiv dazu.

Wenn es von Anfang an nicht passt

Tania kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. Eine Kündigung traf sie sehr früh in ihrer Karriere – und sie war zunächst ein Schock. Rückblickend betrachtet war sie jedoch genau das, was es brauchte: ein Befreiungsschlag. Denn eigentlich hatte es sich von Anfang an falsch angefühlt. Doch wie viele andere war auch sie aus der Erziehung dahingehend geprägt, Dinge durchzuziehen. Aufgeben kam nicht infrage. Umso härter traf sie das Feedback:

«Fachlich kriegst Du das gewiss hin. Aber zwischenmenschlich….»

Eine Aussage, die nachhallte und Fragen aufwarf. Sie kaute länger an der Frage, ob sie wirklich so schwierig sei. Ein ehemaliger Kollege brachte es später auf den Punkt:

«Schau, Du passt hier nicht rein – und das ist gut so. Betrachte es als Kompliment.»

Passung lässt sich nicht erzwingen

Heute, aus der Distanz, sieht Tania klarer, dass es schlicht kulturell nicht gepasst hatte. Damals glaubte sie noch fälschlicherweise, dass sie es hätte passend machen müssen. Sich mehr hätte bemühen müssen. Heute weiss sie: Nicht jede Chemie passt. Und sie muss es auch nicht.

Gerade im Recruiting wird diese Realität oft überdeckt. Unternehmen wollen Stellen besetzen, Bewerbende brauchen einen Job. Beide Seiten wünschen sich, dass es funktioniert – und ignorieren dabei manchmal ihr Bauchgefühl. Weil es oft schnell gehen muss. Denn, wie Tania oft sagt:

«Ein Rekrutierungsprozess ist eigentlich nichts anderes als Speeddating mit Heirat nach maximal drei Dates.»

Offen damit umgehen – und beobachten, was passiert

Nach ihrer einschneidenden Erfahrung hat Tania ihre Haltung verändert. In Vorstellungsgesprächen ging sie sehr offen mit ihrer Kündigung um. Auf den Grund für ihre Stellensuche angesprochen, antwortete sie denn auch unverblümt:

«Naja, ich wurde entlassen und brauche einen neuen Job.»

Ohne Beschönigung oder Rechtfertigung. Und die Reaktionen darauf waren für sie ein wichtiger Filter:

  • Gesprächspartner, die sofort Referenzen beim letzten Vorgesetzten einholen wollten, sortierte sie aus

  • diejenigen, die ihre Offenheit ohne Vorbehalte aufnahmen, verfolgte sie weiter

Denn für sie war klar:

👉 Wer sich angesichts der demonstrierten Verletzlichkeit menschlich zeigt und denn Willen aufbringt, die Hintergründe zu verstehen, der wird das vermutlich auch in einer künftigen Zusammenarbeit tun. Wer hingegen der offenen Kommunikation mit Misstrauen begegnet, wird das vermutlich auch in anderen Situationen so pflegen.

Was Bewerbende daraus lernen können

Tania empfiehlt nicht nur deshalb, das Thema nicht zu vermeiden, sondern bewusst und transparent anzugehen. Nicht dramatisieren oder rechtfertigen, einfach einordnen – schon nur sich selbst zuliebe. 

Was hat nicht funktioniert? 
Wo lag der eigene Anteil?
Was wurde daraus gelernt?

Denn eines ist klar: Zu einer Trennung trägt selten nur eine Partei bei.

Zwei Dinge sind entscheidend

1. Selbstreflexion: Eine Kündigung darf hinterfragt werden. Nicht, um sich selbst fertig zu machen – sondern um zu verstehen:

  • Was hätte ich anders machen können?

  • Welche Muster erkenne ich?

  • Was brauche ich künftig, damit es besser passt?

Perfektion wird nicht erwartet. Lernfähigkeit schon.

2. Ehrlichkeit: Auch, wenn man es lieber nicht wahrhaben möchte – das Arbeitszeugnis wird ja die Wahrheit doch noch ans Licht bringen. Und nachträgliches Einlenken hat leider einen etwas faden Beigeschmack. Wer im Gespräch ausweicht oder sich in Widersprüche verstrickt, hinterlässt Unsicherheit. Und  Vertrauen entsteht nun mal anders – nämlich durch Klar- und Offenheit.

Deshalb: Sprecht es aus. Sachlich, reflektiert und ohne Drama.

Zum Schluss

Jede:r von uns war schon einmal in einer Beziehung, die sich nicht richtig angefühlt hat. Beruflich oder privat. Trennungen gehören dazu. Entscheidend ist nicht, dass es passiert ist. Sondern, was man daraus macht.

Und, wem es helfen könnte, mit dem Geschehenen seinen Frieden zu finden, dem empfiehlt Tania – mit einem Augenzwinkern – es sich mal so zu überlegen:

👉 „Wenn Arbeitnehmer kündigen, entlassen sie ihre Arbeitgeber ja letzten Endes auch… 😉“

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