Great Minds

Über Sympathie und Antipathie im Bewerbungsprozess

Letzte Woche landeten – zum wiederholten Male – mehrere Bewerbungen in der Inbox unserer Beraterin Tania. Also in ihrem E-Mail-Postfach. 

Darunter auch diejenige eines ehemaligen Corporate Head HRs eines bekannten Schweizer Konzerns. Tania war befremdet und konnte nicht anders. Die Augen verdrehend, dachte sie sich beim Studieren der Unterlagen schon zum x-ten Mal:

«Sorry, aber ganz besonders Du müsstest es eigentlich besser wissen.»

Was für Recruiter ein bekannter Painpoint ist, muss an der Stelle vielleicht für Laien noch kurz erklärt werden: Wer sich per Mail bewirbt, verursacht dem Empfänger manuellen Zusatzaufwand.

Kleiner Auslöser - Grosse Wirkung

Vor drei, vier Jahren, als man noch froh war um jede Bewerbung, die reintröpfelte, sah man gerne darüber hinweg und nahm das in Kauf (auch wenn es damals schon mühsam war). Heute, wo teilweise dutzende Bewerbungen pro Tag eingehen, kann das schnell Zeit verschlingen, die ein Recruiter schlicht nicht hat.

Denn Bewerbungen per Mail müssen vom Empfänger manuell ins Bewerbersystem eingepflegt werden. Daten werden von Hand erfasst, Dokumente hochgeladen, Formate geprüft. Je nachdem, wie die Unterlagen daherkommen, gehen da gut und gerne 10–15 Minuten drauf. Pro Bewerbung.

Das ist nicht nur aufwändig. Es ist tatsächlich auch einfach … nervig.

Denn das Bewerbersystem ist bei Great Minds Inseraten klar verlinkt. Und dennoch verursacht der Bewerber mit Dossierübermittlung per E-Mail nun manuellen Aufwand, der den sichtenden Berater irritiert, bevor man sich überhaupt gesprochen hat. Ein denkbar unglücklicher Start in eine potenzielle Zusammenarbeit.

«Persönlich» ist schön. Praktisch ist entscheidend.

Als jemand der ständig predigt, man solle mit dem Vorverurteilen aufpassen, wollte Tania natürlich die Beweggründe verstehen. Also rief sie den besagten ehemaligen Head-HR-Bewerber an und sprach ihn auf seine Bewerbung per Mail an. Seine Antwort war ganz banal:

«Ich finde es per Mail halt schon persönlicher und sympathischer.»

Und weil wenn Tania spürte, dass sich der Great Mind nichts Böses dabei gedacht hatte, gab sie ihm halb lachend, aber doch mit Nachdruck zu verstehen:

«Ich NICHT!» 😝

Und erklärte ihm, wie seine Bewerbung bei ihr in erster Linie Irritation ausgelöst hatte. Nicht zuletzt, weil sie von jemandem aus dem HR-Universum in diesem Thema mehr Gespür erwartet hätte – und damit unweigerlich auch seine (Rekrutierungs-) Kompetenz hinterfragt hat.

Spitzfindig?  Voreingenommen? Überempfindlich?

Natürlich, alles davon! Aber es passiert automatisch, ohne dass man es bewusst steuern kann.

Sympathie und Antipathie beginnen früher, als wir denken

Im Übrigen passiert das nicht nur uns – und nicht nur bei diesem Thema.

In Gesprächen mit Linienvorgesetzten, HR-Spezialisten und Recruitern hören wir regelmässig  (mal gefilterte, mal unverblümte) Rückmeldungen zu Dossiers, die bisweilen starke Reaktionen auslösen. Oft wegen Kleinigkeiten. Und das oft bei super fachlicher Eignung, die aber dann gar nicht erst thematisiert wird – der Bewerber ist bis dahin schon unten durch.

Genau deshalb werden wir die häufigsten Punkte in einem separaten Artikel zeitnah zusammenfassen. Nicht, um den moralischen Zeigefinger zu heben. Sondern um Bewusstsein zu schaffen.

Denn uns ist wichtig, dass Bewerbungsprozesse nicht zum Erliegen kommen, bevor sie überhaupt richtig anlaufen können.

Das eine tun – das andere nicht lassen

Wer es per Mail tatsächlich persönlicher findet oder Sorge hat, im Bewerbersystem übersehen zu werden, dem geben wir – wie auch dem Kandidaten letzte Woche – gerne folgenden Rat:

Mach kann ja auch einfach beides tun. Eine saubere Bewerbung im Bewerbersystem hochladen und anschliessend eine E-Mail hinterherschicken. So kann man kurz auf sich aufmerksam machen, ohne das Risiko zu laufen, komplett aussortiert zu werden. Denn ein Berufskollege meinte kürzlich, aufs Thema angesprochen:

«Bewerbungen per E-Mail? Lösche ich unkommentiert. Wer das klar verlinkte Bewerbersystem ignoriert, hat es schlichtweg nicht anders verdient!»

Ganz so weit würden wir nicht gehen. Aber es zeigt, wie unterschiedlich – und teilweise empfindlich – reagiert wird. Je nach Zeitdruck, Tagesform, und emotionaler Verfassung kann also Eurer Bewerbung kurzer Prozess gemacht werden. Schaut deshalb, dass Ihr mit Eurer Bewerbung mit den richtigen Massnahmen beim Empfänger Freude, Neugier, oder zumindest einfach neutrale Gefühle auslösen könnt. Unser nächster Artikel «Die Do’s und Don’ts beim Bewerben» soll Euch dabei helfen.

Zum Schluss

Bewerbungsprozesse sind schon anspruchsvoll genug, ohne dass man sich beim Erstellen und Übermitteln der Unterlagen schon selbst ein erstes Bein stellen sollte. Seid also gnädig, mit Euch und Euren Bewerbungsempfängern und baut Hürden ab. Denn vergesst nie:

Viele Absagen erfolgen nicht mangels Eignung für eine Stelle.
Sondern weil ein paar einfache Spielregeln nicht befolgt werden.

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