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Warum vollständige Bewerbungsunterlagen wichtig sind

Auch heute wieder: Eine Bewerbung trifft ein. Bestehend aus:

  • einem Lebenslauf (mit generischem Beschrieb der einzelnen Stellen – so, wie sie in jedem Stelleninserat stehen)

  • dem letzten Arbeitszeugnis

  • keine Diplome – obwohl sie im CV erwähnt sind

Das Anschreiben? Eine Zusammenfassung des Lebenslaufs in Fliesstext.

Besonders erstaunlich: Es geht um eine Bewerbung einer HR-Generalistin. Was uns beweist, dass es sich lohnt, das Thema einmal etwas vertiefter anzuschauen. Denn wenn selbst HR-Profis den Mehrwert eines vollständigen Dossiers nicht immer ausschöpfen, wird klar: Hier gibt es Klärungsbedarf. Denn ein vollständiges Bewerbungsdossier ist keine Formsache. Es ist die Grundlage, auf der sich jemand ein Bild von Dir macht. Und dafür sind drei zentrale Elemente erforderlich:

1. Nachvollziehbarkeit: Deine Geschichte ergibt ein Ganzes

«Wir sind die Summe unserer Erfahrungen.»

Ein oft gehörter Satz, der auch beruflich gilt. Natürlich sind für eine neue Stelle meist die letzten drei bis fünf Jahre am relevantesten. Aber alles, was davor passiert ist, hat Dich geprägt – Deine Entscheidungen, Deine Perspektiven, Deine Arbeitsweise. Auch wenn frühere Stationen für die aktuelle Rolle nicht matchentscheidend sind, helfen sie dabei, Deinen Weg zu verstehen.

Ein CV ohne Kontext ist wie ein Fotoalbum ohne Beschriftung – viele Bilder, aber keine nachvollziehbare Geschichte.

2. Belegbarkeit: Worte allein reichen nicht

Schreiben kann man viel. Ob es stimmt, zeigt sich erst durch die entsprechenden Dokumente. Arbeitszeugnisse, Diplome und Zertifikate machen Deinen CV überprüfbar. Sie geben Deinem Profil Substanz – und schaffen Vertrauen.

Denn nicht alle sind gleich integer unterwegs: Im Bewerbungsprozess wird gerne geschönt. Wir empfehlen deshalb: Belege alles, was Du im CV aufführst. Natürlich muss nicht jedes Zertifikat mitgeschickt werden. Ein zweistündiger LinkedIn-Excelkurs darf ruhig fehlen.

Aber:

  • Lehrabschlüsse

  • Hochschuldiplome

  • relevante Weiterbildungen

  • zentrale Fachzertifikate

gehören ins Dossier. Auch bei Arbeitszeugnissen gilt das Gesetz der Vollständigkeit: Sie sind Zeitstempel, die Deinen beruflichen Verlauf dokumentieren. Selbst wenn Du heute im HR tätig bist, gehören zehn Jahre Buchhaltungserfahrung mit den entsprechenden Zeugnissen dazu. Nicht zuletzt, weil viele Unternehmen Lohnbänder haben, in die genau solche Faktoren einfliessen.

Gleichzeitig sind wir bei Dir: das Praktikumszeugnis von vor über 20 Jahren oder das Arbeitsattest für die Kellnertätigkeit während des Studiums, kann man irgendwann weglassen. Es waren kurze Nebentätigkeiten, die in in eine Zeit fallen, wo der Fokus woanders lag – und diese Zeit ist im Übrigen mit dem Abschlussdiplom belegt. 

3. Kontext: Gleiche Titel, unterschiedliche Realitäten

Ein Jobtitel allein sagt oft erstaunlich wenig aus. Ob Du als HR-Manager in einem KMU mit zehn Mitarbeitenden tätig warst oder in einem internationalen Konzern mit mehreren tausend, macht einen erheblichen Unterschied. Und diesen Unterschied sollte man anhand Deines Dossiers erfassen können. Warum?

Weil er Deinen Arbeitsalltag, Deine Verantwortung und Deine Perspektive prägt. Schauen wir uns ein paar Beispiele an:

KMU vs. Konzern

Keines ist besser als das andere. Aber:

  • Im KMU arbeitest Du oft breiter, bist näher an verschiedenen Themen und übernimmst interdisziplinäre Aufgaben.

  • Im Konzern bist Du häufiger in komplexe Strukturen eingebettet und arbeitest spezialisierter – dafür mit mehr Tiefe und oft höherer Frequenz.

Beides hat seinen Wert. Aber es ist nicht dasselbe.

Gradlinige Karriere vs. Quereinstieg

Nehmen wir das Beispiel eines HR-Generalisten, der zuvor zehn Jahre in der Buchhaltung gearbeitet hat. Diese Person bringt ein Verständnis für finanzielle Zusammenhänge, Reporting und Zahlenlogik mit, das ihre HR-Arbeit beeinflusst.

Im Vergleich dazu hat jemand, der den klassischen Weg vom HR-Assistenten über den Spezialisten zum Generalisten gegangen ist, eine andere Perspektive entwickelt.

Auch hier gilt: Beides ist wertvoll – aber unterschiedlich. Und diesen Kontext kann man, richtig dokumentiert, anhand Deiner Unterlagen erkennen, ohne dafür mit Dir vorab Rücksprache halten zu müssen.

Unterschiedliche Leser – unterschiedliche Blickwinkel

Nicht jeder liest ein Dossier gleich. Manche fokussieren sich stark auf die letzte Position. Andere schauen bewusst weiter zurück, um den Menschen und die Geschichte hinter dem Profil besser zu verstehen. Du weisst nie, wer Dein Dossier liest und worauf diese Person Wert legt. Deshalb ist es sinnvoll, von Beginn weg auf Nummer sicher zu gehen:

Übermittle Deine Unterlagen vollständig.

So vermeidest Du Rückfragen, Zusatzschlaufen – und im schlimmsten Fall verpasste Chancen. Denn in Zeiten steigender Bewerberzahlen geht man in der Rekrutierung den Weg des geringsten Widerstandes und beschäftigt sich zunächst mit den vollständigen Dossiers. Wenn man da schon eine gute Auswahl treffen kann, wird man sich den Zusatzaufwand nicht machen, bei unvollständigen Unterlagen die fehlenden Dokumente einzufordern.

Zum Schluss

Manchmal ist es ein einziges Detail, ein Stichwort, ein Zusammenhang, der die Neugierde weckt und jemanden dazu bringt, zum Hörer zu greifen. Wir hören in der Rekrutierung immer wieder

«Ich sah diesen Vermerk und dachte mir, ich rufe einfach mal an…»

Und genau so beginnen oft die besten Geschichten.

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