Auf Stellensuche zu sein, kann verschiedene Gründe haben. Manchmal ist es, dass die eigene Stelle in der bisherigen Form wegfällt. Manchmal fehlt im Unternehmen die passende Perspektive. Aber manchmal ist es auch das Gefühl, in der aktuellen Stelle am falschen Ort zu sein. Nicht selten fallen in diesem Kontext Aussagen wie:
«Bei meinem aktuellen Arbeitgeber stimmt halt vieles nicht.»
Manchmal wird dabei die Führungskraft genannt. Manchmal die Unternehmenskultur. Manchmal die Organisation. Und gelegentlich auch einfach „alles“.
Nun ist es keineswegs so, dass Unternehmen, bzw. ihre Vertreter keine Fehler machen würden. Das tun sie, manche mehr als andere und gewisse gefühlt gar in einer Frequenz, bei der man sich ernsthaft fragt, wie der Laden überhaupt funktionieren kann. Aber immer wieder ertappen wir uns bei diesen Gesprächen doch auch beim Gedanken:
«Was, wenn das Problem gar nicht primär beim Arbeitgeber liegt?»
Nicht, weil der Arbeitgeber alles richtig macht. Sondern weil wir Menschen erstaunlich gut darin sind, uns selbst aus der Gleichung rauszurechnen.
Die unangenehme Frage, die sich manche zu spät stellen
Immer wieder begegnen wir in der Rekrutierung Menschen, die in hoher Frequenz ihren Arbeitgeber wechseln. Uns ist wichtig, die Hintergründe der Stellenwechsel verstehen, im Wissen, dass man nicht bei jedem davon Mitspracherecht hat. Die meisten von uns wurden schon von Umstrukturierungen erwischt, entwuchsen in einem zu kleinen Umfeld den vorhandenen Perspektiven oder mussten vielleicht auch schon unfreiwillig den Platz räumen – rein weil zwischenmenschliche Faktoren eine konstruktive Zusammenarbeit verunmöglichten. Manchmal ist aber auch ein Bewerber dabei, der sich permanent fehl am Platz zu fühlen scheint und deshalb immer wieder wissentlich und willentlich weiterzieht.
Dabei gibt es diejenigen, die sich einfach fachlich noch an den richtigen Platz herantasten mussten. Aber vereinzelt treffen wir auch auf Persönlichkeiten, die ein anderes Narrativ bedienen.
Die Flucht in die Suche nach dem Schuldigen
Hier ist von Menschen die Rede, bei denn wir im Gespräch ein wiederkehrendes Muster erkennen, bei dem stets auf die Unzulänglichkeiten aller um sich herum verwiesen wird. Und warum ein Ausharren in gegebenen Situationen unzumutbar gewesen wäre. Nicht selten schwingt dort auch ein bisschen Selbstmitleid mit, dass ihnen bisher leider verwehrt geblieben ist, endlich irgendwo anzukommen.
Natürlich ist es bequemer, die Ursache für die eigenen Odyssee in externen Faktoren zu suchen und dabei den Chef, die Kollegen, die Unternehmenskultur, die Prozesse, die Geschäftsleitung, die HR-Abteilung, oder – auch gerne erwähnt – «die da oben» als Schuldige zu benennen.
Wir bestreiten selbstverständlich nicht, dass diese Faktoren nie eine Rolle spielen würden. Natürlich tun sie das in der Interaktion ebenfalls. Aber wer sich ausschliesslich mit dem beschäftigt, was andere falsch machen, verpasst eben auch die Gelegenheit, sich selbst besser kennenzulernen.
Und diese Chance auf Introspektion und persönliche Entwicklung stossen wir gerne mit einer vorsichtig formulierten Frage an, die sich im Verlaufe des Gesprächs irgendwann aufdrängt:
«Ist es denn realistisch, dass wirklich immer die anderen das Problem sind?»
Wir wollen mit der Frage selbstverständlich keinem zu nahe treten. Wir wollen auch nicht implizieren, dass statt mit der Umgebung, mit der Person etwas Grundlegendes nicht stimmen könnte. Vielmehr wollen wir an dieser Stelle Bewusstsein für ein wichtiges Thema schaffen. Denn bei jemandem, der immer wieder „falsch“ landet, steht berechtigterweise die Frage im Raum, ob sich diese Person eigentlich gut genug kennt, um sich sinnvoll zu orientieren und für sich die richtige Rolle im richtigen Umfeld zu erkennen.
Das ist im Übrigen gar nicht so einfach. Es fällt nicht allen gleich leicht klar zu benennen, was sie langfristig glücklich macht. Was sie wirklich brauchen und welche Rahmenbedingungen für sie besonders wichtig sind. Welche Kompromisse sie bereit sind einzugehen – welche eben nicht.
Das sind grosse Fragen, vermutlich sogar einige der schwierigsten Fragen überhaupt. Und auf die Einschätzung anderer vertrauen kann man dabei nur bedingt.
Die Antworten liegen im Inneren
Es lohnt sich aber allemal, in die die Erkundung der eigenen Bedürfnisse zu investieren. Denn wer sich selbst zu wenig gut kennt, lässt sich leichter dazu verleiten, sich auf die Urteile und Einschätzungen von anderen abzustützen. Und vergisst dabei einen zentralen Punkt:
Des einen Freud ist des anderen Leid.
In einem identischen Kontext werden die einen begeistert und die anderen komplett frustriert sein. Einer fühlt sich gefördert, der andere ausgebremst. Die eine sieht Möglichkeiten, die andere nur Probleme. Und das auch, wenn beide im gleichen Team arbeiten.
Schon letzte Woche sprachen wir darüber, dass jeder seine eigene Wahrheit hat. Und das „Realität“ eben auch subjektiv ist. Menschen bringen unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen und Prägungen mit. Und werden deshalb unterschiedlich auf dieselbe Umgebung reagieren.
Deshalb führt kein Weg daran vorbei, sich mit eigenen Motivatoren, Bedürfnissen, Neigungen und Abneigungen zu befassen.
Der Punkt, an dem Eigenverantwortung beginnt
Je länger wir Menschen in ihrer beruflichen Entwicklung begleiten, desto überzeugter sind wir davon, dass die wichtigsten Erkenntnisse in der Karriere nicht fachlicher Natur sind. Im Vordergrund stehen gerne Themen wie der nächste Karriereschritt, die nächste Gehaltserhöhung und den Aufstieg in übergeordnete Ränge. Gewisse werden dabei allerdings bereits die Erfahrung gemacht haben, dass der Aufstieg dann gar nicht die verfolgte Genugtuung oder Erfüllung brachte, mit der man eigentlich gerechnet hatte. Und dass man besser früher Zeit darin investiert hätte, sich selbst und seine Bedürfnisse zu verstehen, anstatt irgendwelche Zielen nachzueifern, die von aussen als erstrebenswert positioniert wurden.
Deshalb raten wir unseren Great Minds dazu, sich schon früh in ihrer Karriere (und auch später immer wieder, man verändert sich schliesslich) mit ein paar zentralen Fragen befassen und davon ausgehend passende Ziele abzuleiten:
Was gibt mir Antrieb? Was kostet mich Energie? Wo kann ich mich entfalten? Und wo verbiege ich mich dauerhaft? Was ist mir wirklich wichtig? Und worum bemühe ich mich, obschon es anderen eigentlich wichtiger ist als mir?
Denn wer seine Fragen auf diese Antworten nicht kennt, läuft Gefahr, dieselben Probleme von Stelle zu Stelle mitzunehmen. Einfach mit neuem Logo auf dem Arbeitsvertrag.
Fazit
Es gibt sie alle: Die schlechten Arbeitgeber. Die toxischen Führungskräfte. Die Situationen, in denen ein Wechsel die einzig richtige Entscheidung ist. Aber bevor man sämtliche Verantwortung an die Umgebung delegiert und dem Drama überstürzt entflieht, lohnt sich der Blick nach innen. Denn manchmal liegt die Lösung nicht nur darin, den Arbeitgeber zu wechseln. Sondern darin, sich selbst besser kennenzulernen.